Ikonen der Neuzeit

mailChimp

Julius by Paul Frank war gestern, jetzt kommt Frederick von Chimpenheimer IV. Mit affenartiger Geschwindigkeit eroberte das Maskottchen des E-Mail-Marketing-Providers MailChimp in den vergangenen 12 Monaten die Spitze der US-Ikonen-Popularitätsskala. Dieser Erfolg ist sowohl das Ergebnis – teils provokanter – Auftritte auf den hauseigenen Webseiten (Mailchimp-Geschäftsbericht), als auch eines raffinierten viralen Marketings, vor allem in Designerkreisen. Ein geschickt gesponserter, lebensgroßer Plüschaffe, zum Beispiel im Co-working-Space von Tina Roth Eisenberg (aka swissmiss) in Brooklyn, garantiert immer wiederkehrende Auftritt in in ihren zehntausendfach gesehenen Fotos im Blog und auf Instagram. Neu hinzugekommen sind Schimpansen-Billboards, also Großflächenauftritte in US-Metropolen, dir komplett ohne Worte auskommen. Die Beweggründe hierzu werden im hauseigenen Blog beschrieben: The Story Behind the MailChimp Billboards.

Das Foto oben zeigt einen Frederick-von-Chimpenheimer-Auftritt in der Howard-Street, direkt neben den Konferenz-Centern Moscone und Buena Yerba.

jessie

Mit einem im wahrsten Sinne des Wortes bewegenden Auftritt eröffnete Jessi Arrington gestern die 2. TYPO San Francisco Konferenz. Mit ihrem Mann Creighton Mershon, der ihre Präsentation steuerte (»My KJ = Keynote Jockey …«), gründete sie vor kurzem das Designbüro Workshop. Beide entstammen der vitalen Design-Keimzelle Studio Mates in Brooklyn. Bisher trat Arrington durch ihre Liebe für Farbe in Erscheinung (Lucky so and so), oder übergeschnappte Aktionen wie ihre Regenbogen-Parade, die sie über Kickstarter finanzierte.

Arrington ist ein Energiebündel, und das ist ihr Problem … oder besser gesagt: Man wollte es zu ihrem Problem machen. Ihr wurde während des Studiums eine Behandlung gegen HDHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) empfohlen. Die körperlichen Übungen machte sie mit, die Medikamente nahm sie jedoch nicht ein. »Ich wollte mich der Symptome stellen, und nicht einfach nur Mittel dagegen nehmen.« Arrington brach die Hochschule ab heiratete. Eine TV-Doku-Soap über die amerikanische Medizinerin Temple Grandin, die an Autismus leidet, half Arrington dabei zu verstehen, wie ihr »Gehirn tickt«. Sie entdeckte ihre Ich-heit (You-ness) und arbeitet seit dem daran, aus der Schwäche eine Stärke zu machen und diese in das neu gegründete Designbüro Workshop als Kapital einzubringen.

Mehr über Jessi Arringtons Auftritt in San Francisco im TYPO-Blog …

donald

Gestern Abend zu Gast beim TYPO-Empfang: Donald Ervin Knuth, geboren am 10. Januar 1938 in Milwaukee, Autor des Standardwerks »The Art of Computer Programming« und Urvater des Textsatzsystems TeX. Entwickler wie Raphael Schaad (Flipboard, links im Bild) beten ihn an. Knuth prägte den Begriff »literate programming« und damit des Wunsch, Computerprogramme mit derselben Sorgfalt wie einen literarischen Text zu verfassen sowie Quelltext und Softwaredokumentation zu vereinen. Für sein mehrbändiges Werk The Art of Computer Programming, an dem er immer noch arbeitet, schuf er mit TeX und Metafont Computerprogramme, die druckreifen Textsatz ermöglichen und die besonders im mathematisch-akademischen Bereich eingesetzt werden.

Seit 1992 befindet sich Knuth im Ruhestand, um sich ausschließlich der Fertigstellung von »The Art of Computer Programming« zu widmen. Seit Februar 2011 liegt Band 4A vor, der sich mit Kombinatorik beschäftigt. Band 4B und 4C sollen folgen, Band 5 (von sieben geplanten) hofft er bis 2020 fertigzustellen.

Mir begegnete der Name Donald Knuth kurz nach der Gründung von PAGE, 1986, also zu Beginn der Desktop-Publishing-Revolution. Sein Metafont war eine abstrakte Beschreibungssprache zur Definition von vektorisierten Satzschriften, also eine Alternative zu Adobes PostScript-Schriftformaten. Knuth entwickelte auch den zugehörigen Interpreter, der den Metafont-Code ausführt und Bitmap-Schriften bestimmter Auflösung erzeugte. Zum Einsatz kam die Font-Technologie in Knuths eigenem Schriftsatz-Programm TeX, mit dem er den zweiten Band seines »The Art of Computer Programming« selbst setzte, weil er mit der Qualität des Fotosatzes des ersten Bands unzufrieden war. Es war für mich daher gestern eine Riesenfreude, ihn 27 Jahre später persönlich kennenzulernen.

greta

Der Schriftentwerfer Peter Biľak sprach gestern über viele seiner Projekte, und natürlich auch über die große Schriftfamilie Greta.

mariuahna

Für diese Fotos habe ich ihm 2 Dollar gegeben: Sympathischer Bettelbruder in der Mission Street, Ecke Fifth Street.

restaurant

Ein netter Ort für eine Mittagspause: Le Boulange unterm Dom, in der Westfield-Einkaufspassage, Mission Street

Fotosafari, South of Market

Ein paar Fotos von heute und kurze Gedanken dazu …

sf_typowand

Für Freunde der Vernacular-Type-Kultur (= visuelle Mundart) ist diese Gewerbeecke in der Seventh Street ein Leckerbissen … immerhin sind die Apostrophe korrekt, dafür passen Buchstaben und Schriftarten nicht zusammen. Aber das gesamte Ensemble von Susie und Ed hat die Qualität eines Harold-Pinter-Bühnenbilds …

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Die Cable-Cars in San Francisco laufen alleine aus touristischen Gründen: Für den Nahverkehr sind sie bedeutungslos. Und so werden sie überwiegend von Freiwilligen am Leben erhalten. Wenn es dann mal klemmt, unter den Gleisen, müssen die Pensionäre auf die Knie und mit der Taschenlampe den Fehler finden. Sympathisch!

nespresso

Nespresso – ein Geschäftsmodell, das an der Westküste von Null beginnt. Im Flagship-Store 90 Grant Avenue stehen sich die beiden Verkäuferinnen vor der Theke die Beine in den Bauch. Noch versteht kein Amerikaner, warum er zu Hause Kapselkaffee brauen soll, wo es doch an jeder Ecke einen Starbucks mit echtem Kaffee gibt …

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Abercrombie & Fitch – ein Geschäftsmodell, das vor seinem Ende zu stehen scheint. Zur besten Geschäftszeit ist die Filiale im Westfield San Francisco Centre (Market St.) – trotz weit geöffneter Tore – wie ausgestorben. Vor ein paar Jahren haben sich die A&F-Shops mit Türstehern und Menschenschlangen interessant gemacht … The Harder They Come, The Harder They Fall.

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Die Kreidetafeln in der Mission Street 925 (an der Rückseite des San-Francisco-Chronicle-Gebäudes) gehören zum Projekt 5Ws at 5M und wollen die Anwohner dazu animieren, täglich ihre Meinung und ihre Sorgen aufzuschreiben, lesbar für alle Passanten.

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Das Good Hotel (siehe auch Abbildung unten), in dem ich wohne, ist eine Anti-funktionale Einrichtung. Die überflüssigen Dinge und Dekorationen, wie  diese Kuckucksuhr im Flur, erfüllen ihre Aufgabe ausgezeichnet. Dafür sind die Basics gewöhnungsbedürftig, zum Beispiel die Trennung von Duschraum/Toilette und Waschecke (neben dem Bett), der fehlenden Schrank (Ersatz: Kleiderstange), unbequemer Schreibtisch mit Barhocker, schlecht platzierte Steckdosen, und einiges mehr …

sf_good

Macht vor allem von außen einen guten Eindruck: The Good Hotel …

Verriegelter Koffer in San Francisco

Die cleversten Kofferexperten arbeiten nicht bei Rimowa oder Delsey, sondern im Sicherheitscheck hinter den Kulissen internationaler Flughäfen. Dort öffnen sie in Zweierteams (»4-Augen-Prinzip«) binnen Sekunden aufgegebene Gepäckstücke, die ihnen verdächtig erscheinen. Dabei ist es völlig egal, ob der Eigentümer diese zu Hause mit Schlüssel oder Zahlenkombination verriegelt hat. Die Reisenden bemerken den Einbruch erst am Ziel, wenn ihnen beim Auspacken das Öffnungsprotokoll in die Hände fällt. Ich schließe meinen Samsonite-Koffer nie ab. Die unbenutzten Schlüssel liegen seit dem ersten Einsatz im Inneren der Hartschale, das Zahlenschloss steht auf der Werkseinstellung 000. Dummerweise haben sich die Gepäcköffner heute morgen über meine Verschlusspolitik hinweggesetzt und eines der beiden Schieb-Klapp-Schlösser verriegelt, wahrscheinlich mit ihrem 1000-Koffermarken-Universalschließer. Und so beginnt mein Aufenthalt in San Francisco mit einem Rollkoffer-Tour, zum Zwecke der Notöffnung.

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Die nächste Reise hat begonnen: eine Woche San Francisco, TYPO-Designkonferenz am Donnerstag und Freitag. Der Hinflug über New York begann am gestrigen Dienstagmorgen und endete Mittwochnacht, 03:00 Uhr Berliner Zeit, in der kalifornischen Metropole. Beim Zwischenstop erhaschte ich aus dem Flieger einen Blick auf Manhattan … siehe Abbildung oben.

Noch ein Tipp: In Berlin habe ich mich von dem neuen Limousinen-Service MyDriver zum Flughafen Tegel bringen lassen. Sehr empfehlenswert. Der Autovermieter Sixt betreibt diesen Service, mit brandneuen, komfortablen Oberklasse-Fahrzeugen und gut ausgebildeten Chauffeuren. Die Preise liegen rund 15 % unter den amtlichen Taxitarifen, es tickt kein Taxameter und die Bezahlung wird automatisch abgewickelt.

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Um so klappriger das Taxi in San Francisco. Aber zuverlässig, schnell und ortskundig. Binnen 30 Minuten bin ich im Hotel, also gegen 18:30 Uhr Ortszeit. Ich hatte mir für den Abend nicht viel vorgenommen, nur einen Abstecher in die nahe gelegene Einkaufs-Mall von Nordstrom

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Diese Anzeige von Converse in der US-Ausgabe der Zeitschrift Wired hatte mich auf dem Flug zwischen NYC und SFO angemacht: »Schuhe sind langweilig. Trag’ Sneakers. Die Converse Jack Purcell Sneaker. Nur bei Nordstrom.« Ich weiß zwar nicht, wer Jack Purcell ist, aber dafür gibt es ja Wikipedia: »John Edward ›Jack‹ Purcell (* 24. Dezember 1903 in Guelph; † 10. Juni 1991 in Toronto) war ein kanadischer Badmintonspieler. In den Jahren 1929 und 1930 war er kanadischer Badminton-Meister, 1933 wurde er zum Weltmeister erklärt. 1945 beendete er seine Sportkarriere und wurde ein erfolgreicher Börsenmakler«. Eine ausgesprochen nordamerikanische Karriere … Nebenbei entwarf Purcell tatsächlich 1935 für die kanadische B.F. Goodrich Company die nach ihm benannten Sportschuhe, deren Vermarktungsrechte 1970 von Converse aufgekauft wurden.

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Im Hotelzimmer angekommen, will ich noch schnell den Anzug und die gebügelten Hemden aus dem Koffer nehmen und in den Schrank hängen, bevor ich die Shoppingrunde starte. Doch mein 3-Punkt-Koffer-Schließsystem durchkreuzt jäh diesen Plan. Das linke Schiebeschloss bewegt sich keinen Millimeter. Es sperrt. Ich versuche im Schlüsselloch herumzufummeln, erst mit einer 1-Cent-Münze, dann mit einer Büroklammer, die ich mir an der Rezeption hole. Fehlanzeige. Das Schloss ist ohne spezielles Werkzeug nicht zu knacken. Aber wo findet man um diese Uhrzeit mitten in San Francisco entweder Werkzeug, oder einen Schlüsseldienst? Außerdem will ich für das Öffnen eines Kofferschlosses keine 100 Dollar bezahlen.

Nach kurzer Diskussion mit dem Concierge und einer gemeinsamen Recherche im Netz, empfiehlt er mir dann doch, die Nordstrom-Mall aufzusuchen. Da gebe es zwar keinen Samsonite-Store, aber einen Tumi-Laden und den Travel-Plus-Store, der Reisgepäck verschiedener Hersteller führt. OK. So hatte ich mir den Einkaufsbummel zwar nicht vorgestellt … aber ich ziehe dann mal los: mit prall gefülltem Koffer, der sich nicht öffnen lässt. Die beiden anderen Stationen, nämlich den Shoe-Shine-Stand in der Herrenschuh-Abteilung von Nordstrom und natürlich die Converse-Ecke, die gleich daneben liegen muss, rücken erst mal in weite Ferne.

Nordstrom liegt zum Glück nur zwei Blocks entfernt vom Hotel. Rund 200 Läden gibt es in der Shopping-Mall, verrät mir die Orientierungstafel. Fünf Shops sind unter der Überschrift Reisen und Gepäck aufgelistet. Ich fange mal mit Travel-Plus an, die sind in der 3. Etage. Die halbkreisförmigen Rolltreppen bringen mich nach oben. Im Laden zwei Verkäuferinnen, die sich beim Anhören meiner Geschichte mitfühlend und freundlich zeigen – sogar Samsonite führen sie –, aber Ersatzschlüssel, einen Universalöffner, oder irgend einen Trick zum Öffnen haben sie leider nicht auf Lager. Dafür aber einen heißen Tipp: eine Etage tiefer soll es seit 8 Tagen einen Samsonite-Shop geben. Wenn das nicht meine Rettung ist …

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Sie hatten recht … auch davon kann man in der Geschäftswelt nicht immer ausgehen, dass Verkäufer(innen) auch nur annähernd wissen, welche Wettbewerber oder Alternativen es im engsten Umkreis ihres täglichen Arbeitsplatzes gibt. Auch nicht schlecht: In dem neuen Samsonite-Laden steht ein kräftig gebauter Mann an der Kasse, es könnte der jüngere Bruder von Will.I.Am sein. Er versteht sofort mein Problem und kennt sich mit den verschiedenen Schlosstechniken der Samsonite-Modellreihen aus. »Der Klappverschluss ist ganz klar verriegelt« bestätigt er noch mal meine Befürchtungen. Ersatzschlüssel hat er keine. Also ruft er erst mal seinen Filialleiter an. Die beiden erwägen verschiedene Optionen, von denen er mir nach drei Minuten zwei anbietet:

  1. Er bricht das Schloss auf, und anschließend kann ich mir einen neuen Koffer zum Supersonderrrabatt von 50 % aussuchen
  2. Sein Handwerker-Kumpel kommt morgen im Laden vorbei und öffnet das Schloss – unversehrt

Ich will nicht bis morgen warten. Wir entschließen uns für Aufbrechen. Er greift zu einem kräftigen Schraubenzieher, den er zwischen Schlossblende und Riegel ansetzt und nach oben stemmt. Beim zweiten Versuch ist das Schloss aufgehebelt. Und das Tollste: Es schließt weiterhin, was ich mit dem drinnen liegenden Schlüssel sofort ausprobieren kann. Wir sind alle beide sehr glücklich. Und leider vergesse ich deswegen total, ihm ein Trinkgeld in die Hand zu drücken.

Jetzt gehe ich mit meinem wieder funktionierenden Koffer eine Etage höher zur Nordstrom, lasse mir erst die Stiefel polieren und kaufe dann nebenan für 70 Dollar die Jack-Purcell-Sneaker aus weißem Leder. Die packen ich in meinem Koffer, und dann rollen wir wieder zurück ins Hotel … mit kaum merklichen Zeitverlust, denn irgendwie lagen Kofferknacken und Schuhekaufen so dicht beisammen, wie ich mir das nie hätte vorstellen können.

Als wir am Hotel ankommen, ist es auch schon dunkel geworden …

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The Good Hotel, San Francisco, Seventh Street

Torta Sorrentina mit leckerer Beschriftung

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Konditoren wissen es am besten: Das Auge isst mit. Und wenn ein Kuchen mit einem schönen Schriftzug verziert ist, der beim Anschneiden zerstückelt wird, so steigert diese typografische Apokalypse die Lust am Gebäck ins Unermessliche. Wir haben das beim Frühstück in Positano erlebt, als ein jungfräulicher Zitronenkuchen auf dem Büffet stand. Heute wiederholten wir das Experiment in der eigenen Backstube. Marie hat den Kuchen gebacken, Jürgen die Schriftschablone geschnitzt, und am Nachmittag wurde das Werk bei Nadja verzehrt …

Beim heutigen Rezept geht es daher mal nicht um schmackhafte Zutaten, sondern um die optische Aufwertung von Gebackenem, mit einem professionellen Schriftzug aus Puderzucker oder Kakao. Ihr braucht:

Zutaten: 1 DIN-A-4-Blatt, Computer, Drucker und eine schöne Schreibschrift (oder ihr zeichnet von Hand), 1 Cutter, 5 g Puderzucker (oder Kakaopulver), Teesieb, einen Kuchen.

SchabloneTortaSorrentina

1. Name und Schriftzug. Denkt euch einen raffinierten Namen für euer Backwerk aus. Wir haben uns für Torta Sorrentina entschieden, also auf deutsch ›Sorrentinische Torte‹, weil wir einen Zitronenkuchen dekorieren möchten. Die Heimat des Zitronenkuchens ist nun mal Sorrent (vgl. Die Zitrone von Sorrent). Schreibt euren Namen entweder in einer schönen Handschrift auf Papier, oder baut euch einen Schriftzug am Computer.

Wir haben den Schriftzug digital erstellt, mit der Schriftart FF Tartine Script. Achtet darauf, dass für das spätere Schneiden der Schablone, die Innenräume geschlossener Buchstaben (also o, a, e, O, R, usw.) mittels dünner Stege mit dem Papier verbunden bleiben und nicht herausfallen. Um dem Schriftzug mehr Dynamik zu geben, haben wir ihn nicht auf eine gerade Grundlinie gesetzt, sondern zweizeilig auf zwei gebogene Linien. Wenn euch unser Tortenlogo gefällt, ladet euch einfach das PDF zum Selbstdrucken, indem ihr auf das Foto oben klickt/tippt.

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2. Schablone schneiden. Nun schneidet ihr mit einem Cutter oder einer Nagelschere die dunklen Buchstaben aus dem Papier. Alles was herausfällt und als Lücke im Papier zurückbleibt wird später die Beschriftung des Kuchens.

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3. Heller Schriftzug. Wenn die Schablone fertig geschnitten ist, legt sie auf den Kuchen. Achtet bei einer unebenen Kuchenoberfläche darauf, dass die Schablone eng aufliegt, denn: Je weiter eine Buchstabenform von der Kuchenoberfläche absteht, um so mehr streut das Pulver unter die Schablone, so dass unscharfe Lettern entstehen. Kleine Gewichte können beim Einrichten der Schablone helfen (siehe Abbildung). Nun nehmt einen Teelöffel Puderzucker oder Vanillezucker, gebt das Pulver in ein Teesieb und bewegt dieses Sieb mit leichtem Fingerklopfen über die Schablone.

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4. Dunkler Schriftzug. Alles so wie unter Punkt 4, aber statt Puderzucker nehmt ihr Kakaopulver.

5. Schattierter Schriftzug. Wer sich das Aufmacherfoto oben genauer ansieht wird vielleicht feststellen, dass der Schriftzug wie plastisch wirkt, also erhaben auf dem Tortenguss zu stehen scheint. Diesen Effekt erzielt man, indem zunächst ein dunkler Text aufgetragen wir, und danach – leicht versetzt – der gleiche Text mit hellem Pulver. So entsteht ein Schlagschatten, der unserem Schriftzug die Dreidimensionalität gibt.

torta_angeschnitten

So, damit die Gourmets unter euch jetzt nicht enttäuscht sind, hier noch ein Rezept für eine Amalfitaner Zitronenkuchen, der unser Vorbild war … (die Herstellung des Zuckergusses ist in diesem Rezept allerdings nicht beschrieben)

Amalfitaner Zitronenkuchen

Zutaten: 225 g Butter, 1 ⅓ Tassen Zucker, 4 Eier, abgeriebene Schale von 2 großen Biozitronen, 1 Prise Meersalz, 300 g Mehl, 2 TL Backpulver, ½ Tasse Milch, 50 g gehackte geröstete Haselnüsse oder Mandeln, Butter zum Einfetten

Limonade Mischung: 300 g Wasser, Saft von 3 großen Zitronen, 100 g Zucker,

Zubereitung:

Backofen auf 160 ° C vorwärmen. Eine Springform einfetten und beiseite stellen. Das Mehl mit dem Backpulver mischen. Die Butter in einer großen Rührschüssel mit einem Mixer zerkleinern, bis sie weich und cremig wird. Den Zucker hinzufügen und schaumig schlagen. Eier hinzufügen, eine Prise Salz und die gerieben Zitronenschale.

Nun die Mischung aus Mehl und Backpulver in die Rührschüssel geben, als letztes die Milch. Den Teig bei mittlerer Geschwindigkeit verrühren, bis er eine helle, luftige Konsistenz hat. Der Teig kommt dann in die vorbereitete Kuchenform, mit Hilfe eines Gummi-Spachtel verteilen.

Den Kuchen im vorgeheizten Ofen 45 Minuten backen. Danach 2 Stunden abkühlen lassen.

Während der Kuchen backt, die Limonade zubereiten. Zitronensaft in einen kleinen Krug geben, den Zucker unterrühren, bis er sich gelöst hat. Wasser hinzufügen, so dass sich 2 Tassen Limonade ergeben.

Den kalten Kuchen auf eine Tortenplatte geben, die Limonade darüber träufeln. Zum Schluss die gehackten Nüsse über die Oberseite des Kuchens verteilen und anschließend unseren Schriftzug mit Puderzucker hinzufügen …

7 Lehren von der Halbinsel

1. Die Zitrone von Sorrent

Sorrent und die Amalfiküste sind bekannt für ihre Zitronen (ital. limoni). Die ovale Zitrone aus Sorrent, auch ›Zitrone aus Massa Lubrense‹ genannt (nach einem Nachbarort in den Bergen), trägt aufgrund ihrer hohen Qualität das geschützte geografische Gütesiegel IGP (Indication Géographique Protégée). Die duftende Frucht zeichnet sich durch ihr süßes und saftiges Fruchtfleisch sowie die wenigen Kerne aus. Das Gewicht muss mindestens 85 Gramm betragen, denn es handelt sich um eine mittelgroße Zitrone.

Die Frucht reift auf den Terrassengärten der Sorrentinischen Halbinsel unter den typischen Pagliarelle, das sind auf Holzpfähle gespannte Netze, die dazu dienen, die Baumspitzen vor Witterungseinflüssen zu schützen. Mit dieser Methode wird die Reifezeit verlängert, so dass die Sorrent-Zitrone auch zu unüblichen Zeiten geerntet werden kann. Typische Produkte aus diesen Früchten sind Limoncello, ein schmackhafter Zitronenlikör, die Zitronentorte, Konfitüre und die Zitronenschokolade.

nap_zitronen

Zwischen Sorrent und Amalfi gibt es an jeder Straßenecke und auf Parkplätzen die typischen Zitronenarten frisch geerntet zu kaufen

2. Endlose Pasta-Vielfalt

Neben der Pizza zählt die Pasta zu den Nationalgerichten Italiens. Jeder Italiener verzehrt im Jahr durchschnittlich rund 25 Kilogramm Pasta, das ist 5 mal so viel wie wir Deutschen. Italienische Nudeln bestehen zu 100 Prozent aus Hartweizengries. Seit dem 16. Jahrhundert wird in der Gegend von Neapel großflächig Hartweizen angebaut. Hier entwickelte sich auch die maschinelle Herstellung der Nudeln. Pasta gibt es in allen möglichen Sorten, Farben, Formen und Größen. Aus der riesigen Auswahl an Pasta-Sorten nachfolgend die wichtigsten Typen, die man sich nicht merken muss, denn es gibt wenige wiederkehrende Namensendungen, die einem bei der Wahl helfen (siehe weiter unten; Quelle: Netzwissen.com):

Anelli (Ringe), Anellini (kleine Ringe), Agnolotti (runde gefüllte Nudeln), Barbine (Nudelnester aus Fadennudeln), Bavette (schmale Bandnudeln), Bavettine (kleine, schmale Bandnudeln), Bigoli (dicke Spaghetti), Bucatini (dünne Hohlnudeln), Campanelle (kurze gerollte Röhrennudeln), Canalini (dünne Nudel mit Kanalform), Cannelloni (dicke Nudelröhren zum Füllen), Capellini (lange Fadennudeln, Engelshaar), Capelli D’Angelo (Nudelnester aus Fadennudeln), Cappelletti (gefüllte Hütchen), Castellane (gedrehte Nudeln), Cataneselle (leicht gebogene Röhren), Cavatelli (Röhrennudeln), Cellentani (Locken), Chifferi (Hörnchen), Chitarrine Caserecce (Bandnudeln, Apfelstrudelförmig aufgerollt), Conchiglie (Muschelnudeln), Cotelli (Korkenzieher), Creste di Gallo (Hahnenkämme), Ditali (Hütchen), Ditalini (Fingerhütchen, sehr kurze Hohlnudeln), Eliche (Spiralnudeln), Fagottini (kleine gefüllte Teigtäschchen), Farfalle (Schmetterlinge), Farfalle Tonde (seitlich runde Farfalle), Farfalline (kleine Schmetterlinge), Farfalloni (große Schmetterlinge), Fiocchi Rigati (wie Farfalle, aber ohne Zacken), Fettuccine (Bandnudeln), Filini (dünne, schmale Suppennudeln), Fisarmoniche (gedrehte Nudel mit Wellen), Fusilli (spiralenförmig), Fusilli Lunghi (lange Spiralnudeln), Fusilli Lunghi Bucati (gedrehte Nudel), Fusilli Napoletani (gedrehte Hohlnudel), Fusilli Spirale, Garganelli (kurze gerollte Röhrennudeln), Gemelli (gedrehte Nudeln), Girandole (kleine gedrehte Nudeln), Gnocchi (Nockerl, aus Kartoffelmehl), Gnocchetti Sardi (schmale Öhrchen), Gobetti (kleine, stark gedrehte Nudeln), Gramigna (sehr kurze dünne Hohlnudeln), Grattini (kleine Klumpen aus Nudelteig), Lancette (kleine schmale Schmetterlingsnudel), Lasagne (Nudelteigplatten (gibt es auch in Spinatgrün), Lasagnette (Bandnudeln), Lasagnette Caserecce (Bandnudeln, Apfelstrudelförmig aufgerollt), Linguine (schmale Bandnudeln), Maccheroni (lange Hohlnudeln), Mafaldine (Bandnudeln, am Rand geriffelt), Maltagliati (wörtlich: schlecht geschnittene Nudeln), Mezzelune (halbmondförmige Nudeln), Orecchiette (Öhrchen), Paglia e Fieno (gelbe und grüne Bandnudeln), Paglia e Fieno Caserecce (gelbe und grüne Bandnudeln, Apfelstrudelförmig aufgerollt), Pappardelle (breite Bandnudeln), Pasta Integrale (generell für Vollkornnudeln), Penne (schräg abgeschnittene Röhren), Penne Lisce (glatte Penne), Penne Rigate (geriffelte Penne), Mezze Penne Rigate (wie Penne, nur kürzer), Pennette (kleine Penne mit kurzer Garzeit), Pipe Rigate (stark gebogene, geriffelte Röhren), Pipette Rigate (stark gebogene, kleine geriffelte Röhren), Puntine (sehr kleine Suppennudeln), Pizzoccheri (Buchweizennudeln), Quadretti (viereckige Suppennudeln), Ravioli (rechteckige, gefüllte Nudeltaschen), Reginette (Bandnudeln am Rand geriffel), Riccioli (gedrehte Nudeln), Rigatoni (dicke, geriffelte Röhren), Mezze Maniche Rigate (wie Rigatoni, nur kurzer), Risi (kleine, reiskornförmige Nudeln), Risoni (reiskornförmige Nudeln), Rotelle/Ruote (Räder), Sedani (leichte gebogene, dicke Röhren), Sedanini (leichte gebogene dünne Röhren), Sorprese (gedrehte Suppennudeln), Spaccatelle (kurze gebogene Nudeln), Spaghetti (lange bis extralange Nudeln), Spaghetti alla Chitarra (viereckige Spaghetti), Spaghettini (sehr dünne Spaghetti), Spaghettoni (dicke Spaghetti), Stellione (Sternchen), Stringoli (kurze Nudelröllchen), Tagliatelle (Bandnudeln), Taglierini (dünne Bandnudeln), Tempestine (sehr kleine runde Nudeln), Torchietti (gedrehte Nudeln), Tortellini (ringförmige Nudeltaschen), Tortelloni (große, gefüllte Teigtaschen), Tortiglioni (gerippte und gedrehte Hohlnudeln), Tripolini (lange, breite, gewellte Nudel), Trenette (schmale Bandnudeln mit Wellenrand), Vermicelli (sehr dünne Spaghetti), Vermicellini (sehr, sehr dünne Spaghetti), Ziti/Zitoni (dicke, kurze Maccheroni)

Diese Endungen der Pastanamen bzw. Namenszusätze verraten ihre Form:

  • -elle: breit
  • -ette: schmal z. B.: Lasagnette
  • -ine/ini: klein bzw. dünn z. B.: Spaghettini, Tortellini
  • -oni: groß z. B.: Cannelloni, Tortelloni
  • -nidi: Enden formen sich zu Nestern
  • Rigate: geriffelt
  • Lisce: glatt
  • Mezze: abgeschnitten/verkürzt

nudeln

Ein typisches Pastaregal in einem kleinen Supermarkt in Positano, das einen Großteil der Ladenfläche einnimmt

3. Regelloses Autofahren

Während das Autofahren in den engen, bergigen Städtchen der Halbinsel nur schwierig ist, erweist sich der Stadtverkehr Neapels als eine abenteuerliche Herausforderung. Die Dimensionen der meisten Straßen in der Vesuv-Metropole stammen aus dem Mittelalter und sind nicht auf den Autoverkehr ausgelegt. Enge Gassen, kleine Plätze, fehlende Gehwege und tausende Mopedkünstler machen den Verkehr zu einem waghalsigen Abenteuer, das allein die Neapolitaner verstehen und beherrschen. Dabei ist ihr Fahrstil keineswegs rücksichtslos oder aggressiv, sondern hat schlichtweg seinen eigenen Rhythmus und eigene Umgangsformen. Dabei betrachten die Einheimischen Ampeln und Schilder bestenfalls als Empfehlung.

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Straßenschilder betrachtet der Süditaliener sowieso als Empfehlung, so dass ihre Leserlichkeit keine große Bedeutung hat

4. Familienmitglied Fiat 500

Für das britische Automagazin »Top Gear« ist der Fiat 500 das »Sexiest Car in the World«. Mit diesem Urteil spricht die Zeitschrift einer weltweiten Fangemeinde aus der Seele, vor allem aber den Italienern. Die meisten der zum Teil über 50 Jahre alten Fahrzeuge sind in Süditalien im Einsatz, wo sie angesichts enger Gässchen und fehlender Parkplätze lebensnotwendig für die Mobilität der Bevölkerung sind. Der Cinquecento, wie er in Italien genannt wird, ist überall zu sehen, nicht nur auf der Straße, sondern in Höfen, Garagen, Vorgärten, auf Dächern, Treppen, in Nischen und Ecken.

Sein sympathisches Erscheinungsbild und seine unverwüstliche Vielseitigkeit machten den Fiat 500 für die Italiener zu einer Art Familienmitglied. Neben den kompakten Abmessungen (Länge 3 m, Breite 1,3 m) und dem Altstadt-gerechtem Wendekreis (8,60 m) war der Preis ein weiterer Trumpf: Zunächst 465.000 Lire, nach ersten Änderungen dann 490.000 Lire (rund 1.500 €) kostet der Fiat 500 damals.

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Wer einen hat, pflegt ihn wie ein altes Familienmitglied: dieser mit Ersatzteilen am Leben gehaltener Fiat 500 fanden wir in den Bergen bei Montepertusa

5. Sichtblenden aus künstlichen Blättern

Der aktuellste Verkaufsschlager für Eigenheimbesitzer, Garten- und Hoffreunde sind naturidentische Sichtblenden aus künstlichen Efeu oder Weinblättern. Man kriegt sie entweder am laufenden Meter zum Selbstflechten, oder aber gleich breitflächig von der Rolle. Manchmal sind die Plastikblätter in trauter Eintracht mit lebendigen Pflanzen zu bewundern und man fragt sich: Warum nicht gleich echtes Efeu pflanzen, das wie Teufel wächst und sich binnen weniger Jahre zu einem dichten Sichtschutz entwickelt. Vielleicht ist es gerade diese Unberechenbarkeit, die an echten Kletterpflanzen nervt.

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Künstliche Weinblätter dienen als Sichtschutz bei fehlenden Fenstern, kaputten Zäunen und zum Verdecken maroder Hauswände

6. Es gibt immer was zu bestaunen

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Ohne Worte

7. Innehalten und genießen

Einfach mal anhalten, stehen bleiben, die schöne Aussicht genießen …

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Eine David-Figur aus Gips, entdeckt auf einer Hotelterrasse an der Steilküste bei Praiano

Trance und Raserei in Neapel (7)

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Das Wahrzeichen Neapels, Castel Nuovo, hat schon 700 Jahre auf dem Buckel

Der Tag in Neapel startet bedeckt, aber trocken. Beim Frühstück beschließen wir, am Morgen eine Stadtrundfahrt zu unternehmen. Vorher geben wir noch den Leihwagen ab, mit dem wir im Stadtzentrum nicht viel anfangen können: keine Parkplätze, Tagesgebühr im Parkhaus 25 €, und den Tripp morgen früh zum Flughafen überlassen wir lieber einem erfahrenen Taxifahrer.

In der Autovermietung lassen wir  uns noch verraten, wo die Touristenbusse starten. Ihre Basis ist das nahgelegene Neue Schloss (Castel Nuovo, siehe Abbildung oben). Und dort stehen sie dann auch, die roten Doppeldecker, ohne Dach in der oberen Etage. Wir wählen aus drei Touren die Kunstroute aus und besteigen gleich den bereitstehenden Bus von CitySightseeing Napoli. Im Oberdeck in der ersten Reihe sitzen wir windgeschützt hinter einer Scheibe, die Kameras schussbereit in Händen.

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Fast an jedem Wohnungsfenster in Neapel hängt Wäsche zum Trocknen, die bei Regen mit einer Folie abgedeckt wird

Die Route führt über die Piazza Gesù Nuova hinaus zum Museum und Stadtpark von Capodimonte. Der Park, in dem wir einen kurzen Zwischenstopp einlegen, ist überwältigend in seiner geplant angelegten Schönheit und Größe. Für einen Besuch des Museums (der »Louvre Neapels«) fehlt uns leider die Zeit. Über die Piazza Sanità, den Dom und die Piazza Nicola Ammore kommen wir wieder in die Nähe unseres Hotels, wo wir uns erst mal in einer Bar aufwärmen: Der Wind oben im Bus hat uns ziemlich ausgekühlt. Aber wir waren total froh, die Stadtrundfahrt unternommen zu haben. Neapel hat uns einen Großteil seiner widersprüchlichen Vielfalt gezeigt, die sich uns zu Fuß nie erschlossen hätte.

Kurz ein paar Fakten. Neapel ist die drittgrößte Stadt Italiens, zehnmal so dicht besiedelt wie Florenz. Im Zentrum zählt sie 1 Million Einwohner; zählt man die wild zersiedelten Peripheriezonen dazu, sind es 3 Millionen Menschen. Im dichten Geflecht der Gebäude verbergen sich 300 Kirchen, Burgen, Klöster und ungezählte Paläste. Jede Epoche, jede Herrschaft hat ihre Spuren hinterlassen. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt chaotisch, doch auf den zweiten erkennt man, dass sie nach eigenen praktischen Gesetzen funktioniert. Wenn es die nicht gäbe, würde gar nichts funktionieren.

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Das Leben und der Verkehr finden in Neapel auf vielen Ebenen statt …

Zum Mittag wollen wir eine echt napolitanische Pizza essen. Sie besteht in ihrer klassischen Form aus einem sehr dünnen Teig, belegt mit ganzen oder pürierten San-Marzano-Tomaten, Büffelmozarella, Basilikum und nativem Olivenöl. Die empfohlene Pizzeria in der Via dei Tribunali ist hoffnungslos überlastet, vor dem Laden stehen die Touristen Schlange. Wir finden eine kleine, feine Alternative neben der Kirche San Maria Maggiore. Greta bestellt sich Spaghetti, der Rest der Familie entscheidet sich für Pizzen.

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Mittagessen in der Pizzeria Locanda del Grifo …

Neapolitaner gelten in Italien als freundlich, hilfbereit, gesellig, manchmal vielleicht auch aufdringlich. Auf uns haben die Menschen einen sympathischen Eindruck hinterlassen. Der Neapolitaner bewegt sich langsam, wenn er zu Fuß unterwegs ist. Für deutsche Verhältnisse so als habe er kein Ziel, keine Eile, keine Verpflichtungen. Dieses Tempo sollte man genießen, ja annehmen. Eile ist Stress und Stress muss unbedingt vermieden werden in Neapel. Zur Entschleunigung dienen auch Gespräche aller Art: persönlich mit den Menschen auf der Straße, mit sich selbst, oder am Handy mit Familienmitgliedern und Geschäftspartnern.

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Immer offen für ein Gespräch … ein naplitanischer Straßenhändler teilt mit Kunden seine Sorgen

Neapel ist ein Einkaufsparadies für Schuhe und Kleidung aller Preislagen. Die bekannten Einkaufsstraßen sind die Via Scarlatti auf dem bürgerlichen Vomero, die Via Toledo im unteren Teil Neapels (Centro) und die Via Chiaia. Beeindruckend ist die Galleria Umberto I, unweit von unserem Hotel. Sie ist mit einer großen Kuppel überdacht und liegt direkt gegenüber dem weltberühmten Opernhaus Teatro San Carlo. Die Galerie wurde in den Jahren 1887 bis 1890 erbaut und war Teil der Stadterneuerung nach der Choleraepidemie von 1884. Die Passage besteht aus zwei sich kreuzenden Armen, die mit einem tonnenförmigen Glasdach überdacht worden sind.

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Typisch für Neapel sind enge Gässchen und viele kleine Geschäfte mit oft skurrilen Auslagen

Als wir am Mittag durch die Altstadt schlendern, hören wir auf der Via dei Tribunali plötzlich Blasmusik und Trommeln. Aus der Ferne sind Fahnen zu erkennen. Eine Prozession? Später lesen wir in unserem Reiseführer, dass es sich um einen neapolitanischen Osterkult handelt. Eine Gruppe Gläubiger, die squadra, weiß gekleidet, zieht fahnenschwingend durch die Gassen. Es sind Teilnehmer einer Art religiösen Wettkampfs, der der Madonna dell’Arco geweiht ist und am Ostermontag seinen Höhepunkt erlebt. Bis dahin kämpfen die Mannschaften, die aus verschiedenen Stadtteilen kommen, um die beste Darbietung. Auch Kinder und Jugendliche sind mit dabei und tragen Standarten und Fahnen.

Am Montag führt sie die Prozession nach Sant Anastasia, zur Wallfahrtskirche der Madonna dell’Arco am Fuße des Vesuvs. Barfuß oder auf Strümpfen werden die Gläubigen bis dahin schon kilometerlange Strecken zurückgelegt haben, wenn sie vor der Kirche ankommen. Manche Pilger verlieren seine letzte Kraft, sobald er das Gotteshaus betritt. Andere rutschen auf Knien die letzten Meter. Dies alles wird begleitet von tranceartigen Gesängen und Gestammel.

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Aber warum machen die Gläubigen diese Umzüge? Die Ursache liegt in einer Geschichte begründet, die im Jahre 1450 stattfand. Ein Junge hatte einem Madonnenbild in der kleinen Straßenkapelle seiner Ortschaft Arco-Sant’Anastasia bei Neapel einen Ball ins Gesicht geschleudert, zornig über ein verlorenes Spiel. Die Madonna fing an der Wange an zu bluten, der Sportler drehte daraufhin durch, vor lauter Verzweiflung. Später wurde er für seine Untat geköpft. Zur Erinnerung an den Vorfall errichteten Gläubige zunächst eine kleine Marienkapelle, worauf sich diese Geste im Laufe der Zeit zu den heutigen Dimensionen ausgebaut hat.

Wir haben heute Mittag ein kleines Video aufgenommen, dass die Intensität und den Prunk der Madonnen-Verehrung zeigt, und mit welcher Energie die Gläubigen ihrem Kult nachgehen:

Das war’s soweit aus Neapel. Eine abschließenden Beurteilung und bisher unveröffentlichte Fotos folgen über die Osterfeiertage.