Osterspaziergang

Johann Wolfgang von Goethe, Faust

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

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Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes:
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

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Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.

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Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

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Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.

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Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

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(Fotos: Judith Fischer)

Ostersonntag in den Alpen

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Nach dem Frühstück sind wir losgegangen. Wir gingen erst einen kleinen Weg, der – rechts vom Hotel Alpenrose – nach oben führte. Es ging sehr steil nach oben.

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Nach ungefähr einem Kilometer konnte man Hütten sehen. Es war sehr anstrengen vor allem weil Marie nur Chucks an hatte. Die Wege führten oft durch Schlamm. Wir hatten eigentlich alle nicht so gute Ausrüstung.

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Wir sind ständig weiter gelaufen, bis wir eine Hütte entdeckten, wo man sich ausruhen und etwas trinken konnte. Wir haben alle einen Almdudler zu uns genommen.

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Danach sind wir noch auf einen anderen Hügel der in der nähe des Restaurants war, weil wir danach dort auch Mittag gegessen haben. Es gab dort ja nichts anderes! Nach dem Mittag sind wir gut gestärkt weiter gewandert. Auf die Schöner Mann Alp. Wir sind ziemlich weit nach oben gelaufen.

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Als wir ziemlich weit oben waren hatten wir eine tolle Aussicht. Man hat auch den Bodensee gesehen. Runter sind wir ein bisschen schneller gekommen, aber es war ziemlich anstrengend, weil man die ganze Zeit die Muskeln anspannen musste. Als wir endlich im Hotel waren haben wir uns erstmal ausgeruht.

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Next Exit: Bangkok

Thailand entdeckt die Gestaltung seiner Schriftzeichen, thailändisch: อักษรไทย [ʔàksɔ̌ːn tʰai]. Thai ist ein südostasiatischer Zweig der indischen Schrift und ein Mischung aus Alphabet und Silbenschrift. Weil man von der Vielfalt der lateinischen Schrift lernen möchte, findet zum 3. Mal die Typografie-Konferenz BITS MM statt … u. a. mit dem Geschäftsführer von FontShop als Referent.

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Wenn man in die USA fliegt, findet die Reise mit der Sonne statt, was eine kurze gefühlte Reisezeit mit sich bringt. Ein Flieger, der um 09:00 Uhr in Frankfurt am Main startet (in New York ist es dann 03:00 Uhr morgens), landet um 12:00 Uhr in New York … trotz 9 Stunden Flug. Richtung Asien ist es  umgekehrt … man fliegt in die Vergangenheit, dort ist der Tag praktisch schon gelaufen. Startete man in Frankfurt gegen 09:00 Uhr  (Ortszeit Bangkok ist dann 15:00 Uhr), käme man um 01:00 Uhr am nächsten Tag an (Flugzeit 10 Stunden).

Daher ist der Nachflug von Frankfurt aus eine praktische Lösung. Um 22:00 hebt der Flieger auf Rhein-Main ab und landet gegen 14:00 Uhr Ortszeit in Bangkok. Mit ein bisschen Nachtruhe im Flugzeug erwartet einen ein verkürzter Tag im Kontinent der aufgehenden Sonne. Wer die Anreise als einen verlängerten Tag mit Mittagsschläfchen in seinen Biokalender einbucht, kann einem Jetlag aus dem Weg gehen.

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Zum Hinauszögern der Einschlafzeit habe ich mein iPad mit der HD-Version des Quentin-Tarantino-Films »Jackie Brown« betankt. Ich hab den Film zwar schon öfters gesehen, aber die zwei Geldübergaben im Del-Amo-Shoppingcenter sind so ausgeklügelt konstruiert, dass es mich bei jedem Betrachten von neuem fasziniert. Außerdem ist der Soundtrack des Films unerreicht.

Die von Pam Grier gespielte Stewardess Jackie Brown (Abbildung oben) wird bei einem Geldtransfer, den sie für den Gangster Ordell Robbie (Samuel L. Jackson) durchführt, von der Polizei festgenommen. Als sie den Kautionsvermittler Max Cherry (Robert Forster) kennenlernt, verwirft sie den mit der Polizei ausgehandelten Deal, Ordell in eine Falle zu locken, um zusammen mit Cherry selbst an das Geld zu gelangen.

Pam Grier ist eins von vier Kindern des Air-Force-Mechanikers Clarence Grier und des Kindermädchens Gwendolyn Samuels. Sie wuchs in Denver (Colorado) auf. Als Studentin an der Universität Los Angeles war sie Backgroundsängerin für den Komponisten und Sänger Bobby Womack, dessen Song »Across 110th Street« später zum Titelsong des Films Jackie Brown wurde.

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Meine Stewardess auf dem Flug LH782 (FRA–BKK) heißt mit Nachnamen Groß, was sie auch ist, und sie besticht durch eine perfektes Rollenspiel. Doch die Geschichte beginnt eigentlich bereits am Airport. Ich bin sehr früh am Gate B26, das zwar auf meiner Bordkarte vermerkt ist, aber noch nicht an den Anzeigetafeln. Also frage ich einfach mal den Lufthansa-Eincheck, der gerade seinen Dienst beginnt, ob er dem System bereits nähere Details entnehmen könne. Er fährt gerade die Computer seines Schalters hoch, was Minuten dauert. Jeder Heimcomputer ist da schneller am Start. Dann ist es endlich soweit. Er entdeckt auch sofort meinen Platz und meint, einfach so aus einer guten Servicelaune heraus: »Ich könnte ihnen einen Platz am Notausgang anbieten, mit viel Beinfreiheit«. »Warum nicht«, antworte ich zögerlich, und schon rauscht die Bordkarte aus dem Drucker. Also das ging jetzt so schnell, dass ich sogar die aufs iPhone geladene Bordkarte schnell vergesse.

Was er nicht erzählte: Das Sitzen am Notausgang ist für den Fluggast mit besonderen Aufgaben verbunden. Und jetzt kommt Frau Groß ins Spiel. Sie steht kurz nach dem Einsteigen plötzlich neben mir, und kündigte mir die Einweisung in die Bedienung der Nottür an, die ich anschließend Schritt für Schritt zu wiederholen hätte. Holla, jetzt fühle ich mich wie bei der Bundeswehr. Als erstes müsse ich durchs Minifenster schauen, das im Vergleich zu den üblichen Flugzeugfenster etwa 20 % deren Größe hat. Aber trotz des eingeschränkten Blickwinkeln ist das, was draußen passiert, von höchster Bedeutung. Habe ich nämlich keine freie Sicht, würde also zum Beispiel Baumzweige, eine Wand oder gar Flammen den Blick versperren, dann soll ich gar nichts machen. Also auf keinen Fall die Tür öffnen. Trotz des Kommandos Evacuation, dass ich noch mal wiederholen muss. Ist der Weg jedoch frei, dann öffne ich mit drei Handgriffen die Nottür … und so weiter und sofort. Bitte wiederholen!

Ich wiederhole, nicht nur einmal, sondern immer wieder in den darauffolgenden Stunden. Jackie Brown lenkt mich ein bisschen ab. Doch dann kommen wieder die Evakuierungsgedanken. Und dann schlafe ich zum Glück für ein bis zwei Stunden ein.

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Am Flughafen Frankfurt entstehen immer wieder neue, kilometerlange Verbindungsgänge zwischen den Terminals. Für Architekten und Lichtdesigner sind diese endlosen Tunnel eine prima Herausforderung, um die Reisenden mit neue Stimmungsmachern zu konfrontieren …

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Die hier abgebildete Leisure Zone würde man gar nicht erwarten, an einem deutschen Flughafen: bequeme Sessel, teils mit Beinablage … da lässt es sich prima warten. Sogar die Toiletten sind vorzüglich. Allerdings findet die kaum jemand, weil sie hinter einer Glaswand versteckt sind.

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Bangkok ist auf den ersten Blick das reinste Chaos: Vierspurige Highways und eine Schnellbahn darüber durchschneiden die Häuserkluft, Zweiradlawinen und verstopfte Straßen prägen das Straßenbild. Willkommen in der Stauhauptstadt. Smog, Hitze und Blechlawinen: Bangkok steht dauernd am Rande des Verkehrskollaps. Tag für Tag quälen sich sechs Millionen Fahrzeuge durch das engmaschige Straßennetz von einem Ort zum andern. Aber die Nerven verliert in dem Chaos niemand. Kaum Gehupe, kaum Aggressionen – es ist eben so, wie es ist.

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Auf dem Bürgersteig vor dem Einkaufszentrum MBK wird täglich eine andere Attraktion aufgebaut, mal Modenschau, mal Karaoke, mal Thaiboxen.

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Was um Himmels Willen ist Kaffeeöl? Einfach nur die unbedachte Wortschöpfung eines thailändischen Markendesigners, dem der deutsche Buchstaben mit den zwei Augen gut gefällt. 

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Das gibt es nur in Bangkok: links der Original-Starbucks-Coffee, rechts die Kopie Star Back Cafe.

Paris, Tag 3: ein Bilderbogen

Eigentlich wollten wir den dritten Tag etwas gemütlicher angehen. Doch Paris hält uns in Atem. Es gibt viel zu sehen, an jeder Ecke locken Sehenswürdigkeiten und Geschäfte. Dabei hatten wir nur zwei Aktionen geplant: Sacré-Cœur besuchen und eine abendliche Bootsfahrt auf der Seine. (Abbildung: Graffiti am Centre Popmpidou)

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Das könnte unser Lieblingsfrühstückscafé werden: Le Pain Quotidien, liegt nur 2 Minuten von unserem Zimmer entfernt, in der Rue des Archives. Im »Täglich’ Brot« werden auch leckere Backwaren und Frühstücksdelikatessen verkauft …

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Judith greift zum frisch gebackenen Croissant und überlässt das Pain au Chocolat Greta. Das Schokoteilchen wird aus einem Croissant-Teig gebacken, der um zwei Riegel Schokolade gedreht wurde. Es schmeckt fast wie das Schokocroissant in Deutschland, hat aber eine andere Form und eine kräftige Glasur.

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Das Tragwerk und die Rohre für die Versorgung wurden beim Centre Pompidou sichtbar an den Gebäudeaußenseiten angebracht, angeblich um Ausstellungsplatz zu gewinnen. Dabei sind die Belüftungsrohre weiß bemalt, die Beförderung rot, Elektrik gelb, Wasserrohre blau und die Rohre der Klimaanlage grün. Tatsächlich wollten die Architekten Renzo Piano und Richard Rogers mit dieser Gestaltung Geschichte schreiben, indem sie die Loslösung vom architektonischen Diskurs zwischen Modernismus und Postmoderne anstrebten. Was sie nicht bedachten: Wie eine solche Fassade nach 10 bis 20 Jahren Staubablagerung aussieht und welchen Aufwand die Instandhaltung tausender bunter Show-Rohre mit sich bringt.

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Bunte Rohre ganz anderer Art setzte die französisch-schweizerische Malerin und Bildhauerin Niki de Saint Phalle am Strawinski-Brunnens vom Centre Pompidou in Szene, den sie ab 1982 zusammen mit Jean Tinguely gestaltete. Weltbekannt wurde die Künstlerin ab 1964 durch ihre »Nanas«, Frauenfiguren mit betont üppigen und runden Formen. Dieses Foto haben wir für Heinz gemacht, der heute Geburtstag hat

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Unsere erste Metro-Fahrt, vom Rathausplatz zum Pigalle … und wir singen den Hit von Bill Ramsey aus dem Jahr 1961:

Pigalle, Pigalle das ist die grosse Mausefalle
mitten in Paris
Pigalle, Pigalle der Speck in dieser Mausefalle
schmeckt so zuckersüss
Da sieht man Türken, Perser, Inder und Chinesen
wer auf der Welt was auf sich hält ist da gewesen
Pigalle, Pigalle so heisst die grosse Mausefalle
mitten in Paris

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Und so sieht sie aus, die große Mausefalle von Pigalle … Wir sind hier hingefahren, um die Gegend zu erkunden und nach einem Mittagessen die Kathedrale Sacré-Cœur zu besuchen.

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Das Mittagessen nehmen wir im Corso zu uns (ehemals Da Claudio, 10, Avenue Trudaine, 75009 Paris), ein geradliniger Italiener, innen gestaltet vom Österreicher Robert Stadler. Das  beste Gericht: Penne mit Pilzen, Schinken und Ricotta.

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Nach dem Mittagessen machen wir uns gestärkt auf den Weg zu Sacré-Cœur … Hier im Bild festgehalten: Greta, verloren im Trubel der Großstadt (1)

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Die Basilika Sacré-Cœur ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche auf dem Montmartre in Paris. Das historistische Bauwerk wurde im 19. Jahrhundert vom Architekten Paul Abadie begonnen, der sich in einem Wettbewerb gegen 78 Mitbewerber durchgesetzt hatte und dessen Entwurf deutlich durch die Architektur römisch-byzantinischer Kirchen inspiriert wurde, zum Beispiel der Hagia Sophia in Istanbul und des Markusdoms in Venedig. Heute ist Sacré-Cœur eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten von Paris. Durch die erhöhte Lage sind insbesondere die Treppen vor dem Gebäude bei allen beliebt, die die Aussicht über die Stadt genießen möchten. Nach unten fahren wir allerdings mit dem Funiculaire de Montmartre, einer Standseilbahn.

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Der Weg von und zur Basilika Sacré-Cœur ist gesäumt von billigen Touristenläden, mit riesigen Wühltischen und billigen Imbissen …

Wir machen ein Päuschen, fahren nach Hause und ruhen uns eine Stunde aus.

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Unser zweites großes Ziel ist die Anlegestelle der Bateaux-Mouches, das ist die bekannteste Bootsflotte für nächtliche Rundfahrten auf der Seine. Auf dem Weg dorthin überqueren wir zum ersten Mal die Prachtstraße Champs Elysée. Die Idee für die Ausflugsboote hatte nach dem 2. Weltkrieg Jean Bruel, der den Parisern wieder ihren Sinn fürs Feiern und ihre Unbeschwertheit zurückgeben möchte. Vom Fluss aus gesehen, davon ist er überzeugt, sei die Stadt noch schöner. Er baut also neue, moderne Boote, die aus viel Glas und Scheinwerfern konstruiert sind.

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Bei Einbruch der Dämmerung erreichen wir unser Bateau-Mouche, das wir mit einer großen japanischen Reisegruppe teilen.

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Der Eiffelturm vom Boot aus gesehen …

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Auf dem Rückweg streifen wir durch das nobelste Viertel von Paris, rund um die Champs -Elysée. Alle bekannten Modemarken haben hier ihre Stammsitze.

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Zurück im Ferienzimmer verdauen wir erst mal die Erlebnisse des Tages …

Der lange Marsch zum Tour Eiffel

Rund um unser Quartier im Stadtviertel Marais liegen jede Menge Sehenswürdigkeiten: das Centre Pompidou, das Rathaus, der Platz der Vogesen, Notre Dame, das französische Nationalarchiv und das Musée de l’Histoire de France zum Beispiel. Wir beginnen den ersten Tag jedoch mit einer ausgedehnten Wanderung Richtung Eiffelturm, den wir heute mittag endlich sehen möchten … ist er doch der sicherste Beweis, in Paris zu sein.

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Als ersten Höhepunkt passieren wir kurz nach dem verlassen unserer Wohnung das Rathaus, in Frankreich Hôtel de Ville [o’tɛl də vil] genannt. Das heutige Gebäude mit seinen 146 Statuen an der Fassade wurde zwischen 1874 und 1882  im Stil der Neorenaissance erbaut. Der Platz vor dem Rathaus war im Mittelalter der wichtigste Hafenplatz und Keimzelle der Stadt Paris, wo alle wichtigen Güter umgeschlagen wurden. Sein sandiges, flaches Ufer gab ihm den Namen Place de Grève (dt.: Sanduferplatz). Jahrhunderte später, am 25. April 1792, wurde hier zum ersten Mal eine öffentliche Hinrichtung durch die Guillotine vorgenommen. Angeblich war die Menge von der Schnelligkeit der Prozedur derart enttäuscht, dass sie sich den Galgen wieder zurück wünschte. 15 Jahre später wurde der Platz in Place de l’Hôtel-de-Ville umbenannt, also Rathausplatz. Seit 1982 ist er für Fußgänger reserviert.

Direkt hinter dem Rathaus überqueren wir die Seine über die Brücke Pont d’Arcole. Wir verlassen damit das rechten Ufer der Stadt (Rive Droite) und betreten die Île de la Cité, eine Binneninsel in der Seine und der älteste Teil der französischen Hauptstadt. Sie vergrößerte sich im Laufe der Jahrhunderte von ursprünglich 8 auf 17 Hektar und ist durch neun Brücken mit den beiden Seineufern Rive Droite und Rive Gauche, sowie mit ihrer Nachbarinsel Île Saint-Louis verbunden. Unser Ziel ist die von weitem sichtbare Kathedrale Notre Dame de Paris (dt.: Unsere Frau von Paris), die Mutterkirche des Erzbistums Paris. Sie wurde in den Jahren von 1163 bis 1345 errichtet und ist eines der frühesten gotischen Kirchengebäude Frankreichs.

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Aktuell feiert Notre Dame ihren 850. Geburtstag, mit einer Sonderausstellung und Tribünen auf dem Domvorplatz Parvis de Notre Dame, der seit 2006 zu Ehren von Papst Johannes Paul II auch Place Jean Paul II heißt. Auf dem Platz, direkt vorm Eingangstor des Doms, liegt auch Frankreichs kilomètre zéro (Kilometer Null), der Referenzpunkt (Fundamentalpunkt) für alle Entfernungsangaben des Landes, zum Beispiel der nach Paris führenden Autobahnen.

Der Bau der heutigen Kathedrale begann zu der Zeit des Übergangs von der Romanik zur Gotik und erstreckte sich über annähernd 200 Jahre. Er ist dadurch gekennzeichnet, dass der Chor noch im romanischem Stil begonnen und mit dem Fortschreiten des Baus nach Westen zunehmend gotischer wurde. Als der Bau nach 85 Jahren so gut wie fertig war, verging das nächste Jahrhundert mit der gotischen Umgestaltung, Erweiterung und Ausstattung der älteren Bauteile. Im Zeitalter der Aufklärung wurden die Buntglasfenster durch weiße Fenster ersetzt (1728) und die Wände weiß übertüncht. In den folgenden Jahrzehnten fiel ein Großteil der Figuren an den Türmen einer Umgestaltung zum Opfer.

1793 stürmten die Verfechter der Revolution das Gotteshaus und zerstörten die Inneneinrichtung, alle metallene Gegenstände wurden eingeschmolzen. Im Gegensatz zu zahlreichen französischen Klöstern wurde die Kirche jedoch nicht abgerissen, aber entweiht und zum »Tempel des höchsten Wesens, der Vernunft« erklärt. Später diente sie als Weindepot. Erst Victor Hugos 1831 erschienener Roman »Der Glöckner von Notre-Dame« rückte die Schönheit des Gebäudes wieder ins Blickfeld der Denkmalpfleger, die eine umfassende Restaurierungskampagne unter der Leitung von Eugène Viollet-le-Duc starteten. 20 Jahre später war die Kathedrale wieder hergestellt. Vor einigen Jahren wurden Westfassade und Türme erneut restauriert, so dass sie heute  hell erstrahlen.

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Unser Appetit auf ein französisches Frühstück duldet keine Verzögerung. Wir verlassen die Île de la Cité wieder über die Petit Pont, um auf der Rive Gauche  ins Quartier Latin einzutauchen. Dort suchen wir ein nettes Café und entscheiden uns für die Brasserie Le Lutèce am Boulevard Sait-Michel. Hier gibt es die erwarteten Leckereien, frisches Baguette, Croissants, leckere Marmeladen und Heißgetränke für jeden Geschmack (Abbildung oben). So gestärkt verlassen wir nach 40 Minuten wieder den Ort um weiterzumarschieren.

Wir befinden uns im 7. Pariser Bezirk, dem Arrondissement du Palais Bourbon, das während der Ausdehnung der Stadt zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand. Mit einer Vielzahl von Ministerien und der Nationalversammlung ist es, nach dem 8. Arrondissement, das zweite politische Zentrum der Stadt. Es ist mit dem Pariser Wahrzeichen, dem Eiffelturm, und weiterer bekannter Sehenswürdigkeiten ein beliebtes Ziel für Touristen. Wir nähern uns als nächstes dem Hôtel des Invalides (dt.: Invalidenheim, franz. auch kurz Les Invalides). Die Anlage wurde  im Auftrag des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. in den Jahren 1670 bis 1676 errichtet, als Heim für kriegsversehrte, berufsunfähige Soldaten. Heute wird es von der Institution Nationale des Invalides geführt und beherbergt mehrere Museen sowie im Invalidendom die Grabstätten Kaiser Napoleons I. sowie weiterer hochrangiger Militärs.

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Das beeindruckendste Gebäude der Anlage ist der in Deutschland als Invalidendom bezeichnete Dôme des Invalides. Der von dem Wort dôme (frz.: Kuppel) hergeleitete deutsche Name suggeriert irreführenderweise, dass es sich um eine Kathedrale handelt. Zwar diente das Gebäude ursprünglich als Kirche, wurde aber 1840 zur Grabstätte für Napoleon umgebaut. Dessen Wunsch, »an den Ufern der Seine« bestattet zu werden, wurde erst 19 Jahre nach seinem Tod auf St. Helena stattgegeben. Erst dann erhielt die französische Julimonarchie nach langen Verhandlungen mit England die Erlaubnis, den Leichnam des Kaisers aus dem britisch besetzten Gebiet nach Frankreich zu überführen. Der Sarg wurde am 15. Dezember 1840 in der Chapelle Saint-Jérôme, einer Seitenkapelle des Invalidendoms, beigesetzt und konnte nach der Aushebung und Ausschmückung der Krypta, die sich zwanzig Jahre hinzog, schließlich 1861 in den Sarkophag im Untergeschoss eingelassen werden. Die nach oben geöffnete Krypta befindet sich exakt unter der Kuppel. Der in ihrer Mitte aufgestellte gewaltige Sarkophag aus Schokscha-Quarzit enthält fünf ineinander geschachtelte Särge.

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Wir nähern uns langsam dem Champ de Mars (dt.: Marsfeld), der Park zu Füßen des Eiffelturms. Zwischendurch können wir  schon mal sie Spitze des Wahrzeichens bewundern. Die bis ins 18. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzte Fläche des Marsfeld wurde 1765 als Exerzierplatz ausgebaut. Zu diesem Zwecke wurde es planiert und von einem Graben sowie von einer Ulmenallee umgeben. Später nutzten die Weltausstellungen von 1867, 1878, 1889, 1900 und 1937 das Gelände. Auch die Fechtwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele von 1900 fanden hier statt. Angesichts enormer Bebauungspläne war das Champ de Mars um 1900 von einer Parzellierung bedroht, doch massive Proteste von Bürgerinitiativen sicherten den Weiterbestand als Grünzone.

Am nordwestlichen Ende des Marsfelds erhebt sich als Relikt der Weltausstellung von 1889 der Eiffelturm (frz.: La Tour Eiffel), dem wir uns langsam nähern. Als höchstes Bauwerk von Paris prägt er das Stadtbild und zählt mit fast sieben Millionen zahlenden Besuchern pro Jahr zu den meistbesuchten Wahrzeichen der Welt. Der Turm ist eine der bekanntesten Ikonen der Architektur und wurde zum Vorbild vieler Nachahmerbauten – zum Beispiel unser Funkturm in Berlin, der aber nur halb so hoch ist. Kein Vergleich mit dem 324 Meter hoher Eisenfachwerkturm von Paris.

Das von 1887 bis 1889 errichtete Bauwerk wurde als monumentales Eingangsportal und Aussichtsturm für die Weltausstellung zur Erinnerung an den 100. Jahrestag der Französischen Revolution errichtet. Der nach dem Erbauer Gustave Eiffel benannte Turm war von seiner Erbauung bis zur Fertigstellung des Chrysler Building 1930 in New York das höchste Bauwerk der Welt. Mit der Ausstrahlung des ersten öffentlichen Radioprogramms 1921 in Europa und des ersten französischen Fernsehprogramms 1935 trug das Bauwerk als Sendeturm zur Geschichte des Hörfunks und des Fernsehens bei.

Noch heute ist der Eiffelturm die wichtigste Sendeanlage des Großraums Paris. Doch seine touristische Attraktivität ist weitaus wichtiger für den Bestand und die Einnahmen des Gebäudes. Der Turm ist grundsätzlich an 365 Tagen im Jahr ohne Ruhetag für die Öffentlichkeit zugänglich. Insgesamt sind laut Wikipedia rund um das  Wahrzeichen mehr als 600 Menschen beschäftigt, darunter 280 Verwaltungsangestellte,  etwa 240 in den Restaurationsbetrieben, 50 im Souvenirverkauf und weitere 50 üben technische Tätigkeiten aus. Im Turm befindet sich eine Poststelle und ein eigenes Einsatzkommando der Polizei bewacht das Monument. Durch die vergleichsweise hohen Einnahmen bedingt gehört der Eiffelturm zu den wenigen französischen Sehenswürdigkeiten, die ganz ohne staatliche Subventionen auskommen.

Wir konnten hierzu keinen Beitrag leisten, angesichts von zwei Warteschlangen mit je rund 1000 Interessierten. Uns war die Zeit zu wertvoll, um uns hier anzustellen. Mit dem Verzicht auf die Besteigung haben wir sicherlich ein beeindruckendes Erlebnis verpasst, aber wir wollen uns doch für den nächsten Paris-Besuch noch ein paar Wünsche offen halten.

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Wir verlassen das Gelände des Eiffelturms gegen 14:00 Uhr über die Av. Silvestre de Sacy, überqueren die breite Av. de Bourdonnais und versuchen, auf schnellstem Weg einen Gegend zu erreichen, die authentisch und weniger touristisch ist. Wir landen im sympathischen Einkaufssträßchen Rue Cler, eine Fußgängerzone mit Kopfsteinpflaster. Wir kommen an einladenden Lebensmittelläden vorbei, an Patisserien, Fleischern, Käsespezialisten, Delikatessläden, Schokoladen-Shops, Bars, Grills, Blumenläden und Cafés. Hier kaufen die Anwohner ihr Essen, sitzen mit Freunde bei einem Café Crème, genießen den Sonnentag und lassen das Leben an sich vorbeiziehen.

Wir entscheiden uns zum Mittagessen für die Cocktail-Bar L’Eclair, vor der auch die meisten Menschen sitzen. Hier gibt es leckere Quiche Lorraine und einen tollen Salat Parisienne, mit warmen Ziegenkäse-Taler (Abbildung oben).

Anschließend biegen wir von der Rue Cler wieder ab Richtung Hôtel des Invalides, das wir nun von der Nordseite aus bewundern, entlang dem Place des Invalides. Der zu der sogenannten Esplanade gelegene Vorplatz ist mit historischen Kanonen des 17. und 18. Jhs. gesäumt. Durch den verschlossenen Haupteingangsprospekt sehen wir den Ehrenhof, dDer Haupteingang wird von Kriegerstatuen in antikem Dekor gesäumt. In den umliegenden Gebäuden sind vier Militärmuseen untergebracht.

Wir befinden uns inzwischen wieder auf dem Rückweg zu unserem Stadtviertel. Unser nächstes Ziel sind die Tuilerien auf der anderen Seite der Seine. Diese überqueren wir über die Fußgängerbrücke Passerelle Léopold-Sédar-Senghor. Ihr Name ist neu, bis 2006 hieß die Bogenbrücke neben dem Pont Royal noch Pont Solférino. Sie wurde erst 1999 von Marc Mimram (Projektseite des Architekten) errichtet, strompfeilerlos überbrückt das 106 m lange Stahlbogentragwerk mit Hölzern aus brasilianischem Trompetenbaum die Seine.

Leider verführen die filigranen Stabgeländer dazu, sie mit Vorhängeschlössern zu dekorieren, wie das inzwischen bei einigen Großstadtbrücken sehr in Mode gekommen ist. Überwiegend junge Paare pflegen diesen Brauch, bei dem ein Schluss mit ihren Namen beschriftet oder graviert wird, um anschließend für eine gedachte Ewigkeit an historischem Ort verriegelt zu hängen. Der Schlüssel wird während des Rituals ins Wasser geworfen. Wer auf der Hochzeitsreise ohne Schloss unterwegs ist, kann es direkt an den Brücken kaufen. In Paris gibt es einige mit Schlössern vollgehängte Brücken, deren Menge beim Beurteilen der Gesamtarchitektur nicht zu übersehen ist.

Und wer war eigentlich dieser Léopold Sédar Senghor: ein senegalesischer Dichter und Politiker (geb. 1906), von 1960 bis 1980 Präsident von Senegal und 2001 in Frankreich gestorben.

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Blick von der Fußgängerbrücke Passerelle Léopold-Sédar-Senghor Richtung Musée d’Orsay, das Geländer geschmückt« mit Vorhängeschlössern verliebter Touristen, doch es geht noch doller …

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… Auf der Pont des Arts, drei Brücken flussabwärts, ist vor lauter Schlössern vom Original-Geländer gar nichts mehr zu sehen, ja dort …

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… greifen die Glücksbringer sogar schon auf die Pfeiler über.

Am anderen Seine-Ufer lockt eine weitere Attraktion der Stadt, der Jardin des Tuileries (dt.: Tuileriengarten), der im französischen Stil angelegte ehemalige Schlosspark von Paris. Die Parkanlage erstreckt sich vom Place de la Concorde im Westen bis zum Louvre im Osten und ist im Süden von dem rechten Ufer der Seine, im Norden von der Rue de Rivoli begrenzt. Sie hat ihren Namen von den Ziegeleien, die sich an der Stelle des damaligen Palais des Tuileries befanden, den Königin Caterina de Medici 1564 hatte errichten lassen. Der Gärtner des Königs, Andre Le Nôtre, gab ihm ab 1664 sein heutiges Erscheinungsbild eines Barockgartens. Die etwa 15 Hektar große Anlage gliedert sich in sechs Längsalleen mit Bergahorn, Ulmen und Fichten sowie acht Queralleen.

Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr der Garten mehrere Umgestaltungen und Ergänzungen. Doch im Zuge des von François Mitterrand 1981 initiierten Umbaus des Louvre wurde er so weit wie möglich wieder in den Zustand des 17. Jahrhunderts versetzt. In seinem westlichen Bereich blieben die frühere Orangerie und das ehemalige Ballhaus Jeu de Paume aus der Mitte des 19. Jahrhunderts erhalten. Die Orangerie beherbergt das Musée de l’Orangerie mit Werken des Impressionismus, des Spätimpressionismus und der École de Paris, das Ballhaus die Galerie Nationale du Jeu de Paume für Ausstellungen zeitgenössischer Fotografie und Videokunst. Der Garten selbst beherbergt ebenfalls Kunstwerke, unter anderem den »Baum der Vokale« von Giuseppe Penone, die Nachbildung eines umgestürzten Baumes aus Bronze. Weitere Skulpturen, die wir passieren, sind »Der gute Samariter« von François-Léon SicardLouise Bourgeois. Etwas überrascht waren wir, am Ende unseres Spaziergangs durch die Tuilerien auf eine eine lebende Ziege zu stoßen, die auf einer Wiese graste.

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Der Jardin des Tuileries lädt zum Verweilen ein, mit vielen Sitzgelegenheiten zwischen prächtigen Gewächsen und Kunstwerken

Es ist Nachmittag. Uns zieht es zurück in unsere kleine Wohnung, um Füße und Beine zu entspannen. Wir passieren noch das größte Museum der Stadt, den Louvre (Musée du Louvre), das wir leider rechts liegen lassen müssen. Es ist mit rund zehn Millionen Besuchern im Jahr das meistbesuchte und, gemessen an der Ausstellungsfläche, das drittgrößte Museum der Welt ist. Wie laufen nicht die belebte Rue de Rivoli zurück, sondern über den Quai François Mitterrand.

Nach einer Verschnaufpause zieht es uns dann doch noch mal an die nächstgelegene Sehenswürdigkeit, das Centre Pompidou, in 5 bis 10 Minuten von unserer Bleibe zu erreichen. Es ist früher Abend, und die letzten Besucher verlassen gerade das Museum. Also nutzen wir die verbleibende Stunde bis zum Abendessen für ein erstes Kennenlernen des Quartier des Halles (dt.: Viertel der Hallen). Dies ist der Name des zweiten von 80 Pariser Quartieren, die in ihrer heutigen Form im Zuge der letzten Eingemeindung im Jahr 1860 geschaffen wurden. Das Viertel ist nach dem ehemaligen Pariser Großmarkt (frz.: Halles Centrales oder Halles de Paris) und seinen Markthallen benannt. Übrigens spricht man Les Halles nicht mit einem Verbindungs-s aus, sondern respektiert das h aspiré, indem man den Namen wie [le al] spricht.

Mit dem Umzug des Großmarktes 1969 ins Pariser Umland, genauer ins 13 km südlich gelegene Rungis unweit des Flughafens Orly, begannen endlose Diskussionen und Planungen über die Nutzung des 10 Hektar großen Geländes, sowie die Sanierung des gesamten Viertels. Nach dem Abriss der Markthallen (1973) entstanden in mehreren Kampagnen der unterirdische Umsteigebahnhof der Linien der S-Bahn RER und der U-Bahn Metro (1977), das Einkaufszentrum Forum des Halles (1979), weitere unterirdische Einrichtungen, darunter ein Schwimmbad und ein Auditorium, und schließlich der Stadtpark Jardin des Halles (1986).

Schon während der Bauphase wurden die Pläne zum Forum des Halles stark kritisiert. Wenige Jahre nach der Eröffnung stellte sich heraus, dass der Unterhalt des Forums viel zu teuer war und sich bereits Verschleißerscheinungen bemerkbar machten. Es sei überdies ein städtebauliches Desaster und viel zu unübersichtlich. Zeitweilig war auch der Drogenhandel ein Problem. Im Jahre 2004 ging aus einem Architekturwettbewerb ein Entwurf des Architekten David Mangin hervor, der Grünanlagen und Infrastruktur auf ein zeitgemäßes Niveau bringen will. Insbesondere sollen neue Eingänge für Forum und RER-Station geschaffen werden, und dies alles bei laufendem Betrieb. Hierfür wurde 2007 ein weiterer internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Als Preisträger gingen die französischen Architekten Patrick Berger und Jacques Anziutti mit ihrem Entwurf »La Canopée« hervor.

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Die Verwandlung des Forum des Halles zu »La Canopée« (dt.: Laubdach) erfolgt bei laufendem Verkaufs- und Verkehrsbetrieb

Wir werden Zeuge dieser Operation am offenen Herzen. Bagger und Zäune rund um eine Großbaustelle sind mitten in Paris eine Seltenheit, anders als in Berlin. Schließlich besteht die eng bebaute Stadt aus so vielen ehrwürdigen Gebäuden, dass für Neues nur selten Platz ist. Der täglich von rund 150.000 Menschen besuchte Komplex Les Halles ist eine echte Ausnahme. Bis 2016 soll der ehemalige Markthallen-Komplex für eine Milliarde Euro umgebaut sein und das »neue Herz von Paris« werden.

Zeit zum Abendessen. Wir entscheiden uns für das Café Rive Droite, einen Block entfernt von der Großbaustelle La Canopée. Ende des ersten Tages in Paris.

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Abendessen auf der Straßenterrasse des Café Rive Droite an der Rue Berger Ecke Rue Saint-Denis

 

Turbulente Tage

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5. Okt0ber: Wir sitzen an diesem Samstag wie geplant kurz nach 9:00 Uhr im Wagen, um die 700 Kilometer-Fahrt nach Ravensburg zu starten. Wir, das sind Mama, Papa und Greta. Unser ursprüngliches Ziel war Paris, wo wir – eigentlich gemeinsam mit Marie –  die zweite Woche der Herbstferien verbringen wollten. Doch Marie lebt seit fünf Tagen in Ravensburg. Und heute besuchen wir sie. Nur eine von mehreren Überraschungen, die uns dazu veranlasst, auf den ersten Autobahn-Kilometern die zurückliegenden turbulenten Tage noch mal Revue passieren zu lassen.

24. September: Am Dienstag fuhr ich morgens mit Judith nach Tegel, um mir zum ersten Mal ein Bild von Gudruns Gesundheitszustand zu machen. Am Tag zuvor hatten Reinhard, Nadja und Judith beschlossen, sie nach einer Woche Parkinson-Behandlung in der Schlosspark-Klinik, gegen den Willen der Ärzte, nach Hause zu holen. Sie hatte in der siebentägigen Obhut der Mediziner erschreckend abgebaut. Eine kontrollierte Nachtruhe schien nur noch unter Beobachtung möglich. Tagsüber lief sie rastlos in der Klinik umher. Am Montag bereiteten Ärzte und Pfleger kurzerhand die Überführung in eine geschlossene Psychiatrie vor. Die totale Eskalation bahnte sich an, und so war es nur verständlich und richtig, die Notbremse zu ziehen.

Ich traute meinen Augen nicht, als ich Gudrun sah. Zehn Tage zuvor hatten wir noch gemeinsam in Tegel an der Kaffeetafel Kuchen und Cappuccino genossen. Nun wankte sie mit halb geschlossenen Augen durch den Raum, stammelte unverständliche Worte und ließ sich immer wieder auf den Teppich sinken, um dort zwischen den Fasern etwas zu suchen, was sie selbst nicht benennen konnte.

Da uns keine Krankheit bekannt ist, bei der ein Mensch, ohne äußere Einwirkung, binnen weniger Tage zum Pflegefall wird, konnten nach Auffassung aller Außenstehenden nur die Psychopharmaka die Ursache für den körperlichen und geistigen Verfall sein. Darum beschloss Reinhard noch am selben Tag, diese Medikamente abzusetzen.

Mir selbst ging es aufgrund eines grippalen Infekts an diesem Tag auch nicht besonders. Ich hatte mir frei genommen und die geplante Reise zu einer Veranstaltung tags drauf abgesagt. Nach 2 Stunden in Tegel für ich wieder nach Hause, um Greta nach der Schule zu empfangen und ihr ein Mittagessen zuzubereiten. Judith blieb noch bei Gudrun bis zum Abend.

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Um 17:00 Uhr fuhr ich mit den Kindern in die Potsdamer Straße, wo gegen 19:00 Uhr im Reading Room die Premiere eines Designbuches gefeiert wurde. Mir fiel auf Wunsch der beiden Autorinnen die Rolle zu, eine kleine Laudatio zu halten. Später kam Judith auch dazu, und um 20:30 machten wir uns alle wieder auf den Weg nach Hause. Auf der Fahrt berichtete Judith über die aktuellsten Entwicklungen in Tegel.

25. September: Am nächsten Tag erreicht uns aus Tegel die frohe Kunde, dass das Absetzen der Medikamente seine Wirkung zeigt: Gudrun geht es wieder besser. Nadja ist zu Besuch und unterstützt Reinhard.

Morgens ruft Marie beim Berliner Büro des Stuttgarter Designunternehmens Strichpunkt an, um nachzufragen, ob sie  bald mit einer Entscheidung über ihre Bewerbung für das duale Studium rechnen könne. Sie hatte sich schon vor Wochen hierfür beworben, eine Kombination aus Berufspraktikum und Hochschule, die Anfang der 1970er Jahre in Baden-Württemberg unter der Bezeichnung »Berufsakademie« entwickelt wurde. Bewerber schließen einen dreijährigen Ausbildungsvertrag mit einem (Partner-)Unternehmen ab, wo die eine Hälfte der Ausbildung stattfindet. Die andere übernimmt eine Hochschule, wobei Theorie- und Praxisphasen im Rhythmus von drei Monaten wechseln. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) wurde mit der am 1. März 2009 durchgeführten  Umwandlung zu einer staatliche Hochschule aufgewertet. Bei den akkreditierten Studiengängen wird nun nach erfolgreichem Abschluss ein akademischer Grad (Bachelor) und keine Abschlussbezeichnung mehr verliehen.

Mittags dann der Anruf von Strichpunkt, dass sich die Bearbeitung der Bewerbung durch Urlaube und aus organisatorischen Gründen verzögert habe … Marie solle doch bitte morgen zum Vorstellungsgespräch kommen. Na hoppla, da hat ihr Anruf offensichtlich etwas in Bewegung gesetzt.

26. September: Der nächste Tag dann, mein Geburtstag. Und auch ein ganz normaler Arbeitstag, keine Party, keine Gäste. Für den Abend habe ich der Familie einen Tisch im Pauly Saal reserviert. Da Marie gegen 19:00 Uhr zum Vorstellungsgespräch in den Hackeschen Höfen bestellt ist, legen wir unser Essen auf 20:00 Uhr. Ich bin schon früh mit Greta in der Auguststraße. Wir machen noch einen Spaziergang durchs Scheunenviertel, dann durch die Oranienburger Straße bis hin zum Bahnhof Friedrichstraße. Zwischendurch kaufen wir für die Schule noch eine Flinke Flasche (Klebstoff).

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Um 19:30 betraten wir den Pauly Saal. Hier haben die Macher des Grill Royal, Stephan Landwehr und Boris Radczun, in der ehemaligen Jüdischen Mädchenschule vor einem Jahr ihr neues Restaurant gestartet. Die Schule in der Auguststraße wurde 1930 für rund 300 Schülerinnen eröffnet. Sie war eines der letzten Vorkriegsbauwerke auf dem Gelände der Jüdischen Gemeinde Berlin. Nach der Schließung 1942 durch die Nationalsozialisten wurde daraus ein provisorisches Krankenhaus. Von 1950 bis 1996 nutzten verschiedene Berliner Gymnasien die Schule, danach stand sie leer bis zur Renovierung 2011. Auf drei Etagen befinden sich heute Galerien, zwei Gaststätten und ein Museum.

Das Restaurant Pauly Saal liegt im Erdgeschoss. Seine Einrichtung folgt dem sachlichen Stil, mit dem der Architekt Alexander Beer eins das Gebäude entwarf. Da sind zum einen die mit grünem Samt bezogenen Sessel und Bänke, zum anderen die mächtigen Murano-Leuchter aus der namensgebenden Glas-Manufaktur Pauly. Als Kontrast sind auf mehreren Ablagen Kunstobjekte installiert, als zentraler Blickfang eine leuchtfarbene Rakete in Raumbreite sowie mehrere ausgestopfte »vermenschlichte« Waldtiere. Die Küche ist offen in der einen Hälfte des Saals untergebracht. Ihre Besonderheit liegt in der Verwendung von Bio-Produkten und einer grundlegend deutschen Speisenkarte, die auf delikate Weise österreichisch angehaucht ist.

Gegen 19:45 kommt auch schon Marie. Das Gespräch bei Strichpunkt lief wohl gut. Zur Entscheidungsfindung hat sie nur noch eine Aufgabe zu lösen: Bis zum nächsten Tag 12:00 Uhr eine einseitige Recherche zum Thema »Die Firma Haniel und Nachhaltigkeit« verfassen und per Mail senden. Um 20:00 Uhr kommt dann auch Judith, mit der guten Nachricht, dass es Gudrun viel besser gehe.

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Wir lassen uns die Karte bringen und Getränke. Als Vorspeise wählen wir für uns alle drei mal die Brandenburgischen Gabelbissen. Und dies sind unsere Hauptgerichte:

  • Greta: Leicht geräuchertes Tournedo vom Ostseelachs mit grünem Spargel, Erdäpfelcreme und kandierter Zitrone
  • Marie: Sterz-Teigtaschen mit jungem Feldsalat-Spinat und weißen Steinchampignons, dazu Bergkäse, Röstzwiebeln und Eiszapfenrettich
  • Judith: Kross gebratener Zander aus der Müritz, mit Steinpilzen, Lauch und Senfbutter
  • Jürgen: Moorhuhn aus Brandenburg, mit Steinpilzen, Lauch und Senfbutter

Greta gönnte sich dann noch eine Nachspeise, bei der wir alle mithalfen. Es war alles super-lecker. Gegen 22:00 Uhr treten wir die Heimreise an.

27. September: Am Freitagmorgen arbeitete Marie ihre Recherche aus, die sie fristgerecht an Strichpunkt mailte. Hier ein paar Auszüge:

Franz Haniel & Cie. und das Thema Nachhaltigkeit
Die Holding-Gesellschaft Franz Haniel (Duisburg) hat sich in den letzten 250 Jahren vom Kolonialwarenhändler zur global agierenden Unternehmensgruppe entwickelt. Mit mehr als 500 Standorten weltweit vereint Haniel verschiedene Unternehmen aus den Bereichen Handel und Dienstleistungen unter ihrem Dach, darunter die Metro Group und der Pharmagroßhändler Celesio.
Als ein seit vielen Generationen erfolgreiches Familienunternehmen, handelt Haniel – nach eigener Aussage – seit Anbeginn nach den drei Grundprinzipien Verantwortung, Werte und Nachhaltigkeit und möchte besonders die Nachhaltigkeit als Leitidee für sein unternehmerisches Handeln der Zukunft betonen. Zitat aus www.haniel.de: »Die Haniel-Werte für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln folgen den Prinzipien des ›Ehrbaren Kaufmanns‹.«
Deshalb hat die Holding sich das Ziel gesetzt, bis 2020 gerade auf diesem Gebiet ein vorbildliches Unternehmen zu sein. Das Geschäftsmodell soll so ausgerichtet sein, dass die Bedürfnisse von Menschen, Umwelt und Unternehmen auf eine Art in Einklang gebracht werden, dass nachfolgende Generationen mindestens die gleichen Chancen haben, wie ihre Vorfahren heute. …

Wenige Stunden später kommt die Zusage. Als ich abends gegene 21:00 Uhr vom Type Talk im Apple Store nach Hause komme, kann ich es gar nicht glauben: Marie ist Studentin und muss schon am kommenden Dienstag an der Hochschule in Ravensburg antreten. Für uns heißt das am Wochenende: Unterkunft besorgen, Reise buchen, Koffer packen.

28. September: Am Samstag trifft sich Marie noch mal mit  Freundinnen und Freunden, um sich zu verabschieden. Für Sonntag laden wir Nadja, Oma und Reinhard zum Kaffeetrinken und Spazierengehen ein.

29. September: Heute ist Berlin-Marathon, der vierzigste. Nach dem Frühstück radle ich spontan zum Platz Am Wilden Eber in Dahlem, eine beliebte Station des Wettbewerbs, um ein bisschen Stimmung einzufangen und gegen 10:15 Uhr die Führenden der Männer und der Frauen vorbeilaufen zu sehen. Als ich zurückkomme wird in den Radionachrichten bereits vermeldet, dass der Kenianer Wilson Kipsang gewonnen und mit 2:03:23 den Weltrekord geknackt hat.

Nun treffen wir die Vorbereitungen für Maries Reise, nein: ihren Umzug nach Ravensburg. Nach einigen Telefonaten mit (ausgebuchten) Jugendherbergen, Hotels und Pensionen sank unsere Laune, und der kalkulierte Etat für die ersten Tage in der Fremde stieg. Doch auf einmal fügte sich alles. Marie fand ein Gästezimmer für 12 € die Nacht, und eine Studentenwohnung im Nachbarort Weingarten war auch schon in Sicht … sie musste nur noch in den kommenden 10 Tagen fertig gebaut werden. Dann buchten wir die Zugfahrt für den nächsten Tag ab Südkreuz 08:05 Uhr … ein bisschen kompliziert die Reise, mit 2 mal umsteigen.

Am Abend waren wir dann selbst verblüfft, wie sich in den vergangenen Tagen ein Steinchen zum anderen fügte.

Spaziergang mit Gudrun, Reinhard uns Nadja im Fischtal

Bei Sonntagsspaziergang im Fischtal war Gudrun wieder ganz die Alte, konnte prima mitlaufen und zeigte sich gut gelaunt in der Mittagsssonne

30. September: Der Montagmorgen läuft zeitlich ab wie ein Schultag, woran sich Marie und ich nur noch dunkel erinnern, nach Abitur und wochenlangem Ferienrhythmus. Nur statt der Schule ist gegen 8 Uhr der Bahnhof unser Ziel. Auf dem Bild unten seht ihr Marie den ICE Richtung Frankfurt am Main besteigen … mit all ihren wichtigen Dingen in einem Koffer.

Abschied von Marie

Heute am Samstag den 5. Oktober, nur fünf Tage später, werden wir sie wiedersehen. Unser Ziel ist das Hotel Obertor. Marie hat es ausgesucht, und wir haben für uns vier die 2-Zimmer-Suite gebucht. Nach einer unkomplizierten Fahrt über Leipzig (A9), Nürnberg/Feucht (A6), Feuchtwangen (A7) und Neu-Ulm (B 30) kommen wir gegen 17:00 Uhr in Ravensburg an.

Ravensburg ist Kreisstadt und die größte Stadt des gleichnamigen Landkreises im südlichen Oberschwaben. Der Ort liegt im Schussental unweit des Bodensees und wurde aufgrund seiner zahlreichen, gut erhaltenen mittelalterlichen Türme auch als »das schwäbische Nürnberg« bezeichnet. Oberhalb der Altstadt liegt die Veitsburg auf einem Höhenrücken, der das Schussental-Becken im Osten begrenzt. Das Stadtgebiet besteht aus der historischen Altstadt sowie Erweiterungen Richtung Norden, Süden und Osten und dem Neubaugebiet Weststadt; mit der Gemeindereform in den 1970er Jahren wurden Adelsreute, Eschach, Schmalegg und Taldorf eingemeindet. Rund 50.000 Einwohner leben in Ravensburg.

Das Hotel Obertor in Ravensburg

Wir parken unseren Wagen auf dem hoteleigenen Parkplatz hinter dem Haus und laden unsere Koffer aus. Dann ist auch schon Marie da. Bevor wir einen kleinen Rundgang durch die Stadt machen, reservieren wir uns für den Abend einen Tisch im Restaurant des Hotels.

Wassersporttag, bei 33° C

Heute ist der bis jetzt heißeste Tag des Jahres, was man an der Ostseeküste weniger spürt als in der Großstadt. Trotzdem steht  an diesem Samstag Erfrischung an erster Stelle, mit folgenden Programmpunkten: Wasserski und Kunstspringen. Unsere erste Station ist die Wasserskianlage in Zirkow, nur 6 Kilometer weg von der Ferienwohnung.

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Außerhalb des öffentlichen Betrieb (immer Vormittags) finden Intensivkurse für Anfänger statt. Hier lernt man in kurzer Zeit das Wasserski oder Wakeboard fahren, in lockerer Atmosphäre. Zuerst gab es für Greta und Marie einen kurzen Trockenkurs, und dann ging es schon aufs Wasser.

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Marie fegt über den Cable Park Rügen, Nach wenigen Versuchen schafft sie die Hälfte des rund 1 Kilometer langen Parcours ohne unfreiwilligen Abstieg.

Sehr euch das Video an, wie Marie den See mit Wasserski überquert:

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Nachmittags ist Bade- und Springstunde vorm Haus. Hier fährt gerade unser Nachbar in den Yachthafen ein, den wir wegen seiner aufregenden Frisur Bernie Ecclestone nennen.

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Unser Haus, mal von der anderen Seite aus fotografiert (vom Steg 1). Greta übt gerade das Springen vom Tisch bzw. vom Balkongeländer, was einer Höhe von 1,5 Metern entspricht.

Sehr euch das Video an, wie Greta vom Balkontisch ins Wasser springt:

Caspar-David-Friedrich-Blicke

Abseits vom Lauterbacher Hafen steht ein Holzstuhl mitten in der Landschaft. Die Rückenlehne ist beschriftet mit »Caspar David Friedrich Blick«. An genau diesem Ort hat der Maler sein berühmtes Werk mit Blick auf die Insel Vilm geschaffen. Wir haben weiter CDF-Blicke für uns entdeckt.

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Mitglieder des Fördervereins Putbus haben den Stuhl an dem Ort aufgestellt aufgestellt, wo Caspar David Friedrich die Perspektive für sein Gemälde Landschaft mit Regenbogen gefunden haben soll (Abbildung unten). Es entstand im Zeitraum 1808 bis 1810. Der Maler wollte mit diesem Werk die Vision der Natur darstellen, die Johann Wolfgang von Goethe in seinem Gedicht Schäfers Klagelied* (1802) zum Ausdruck brachte. Das Gemälde befand sich in der Staatlichen Kunstsammlung in Weimar und ist seit 1945 verschollen.

Caspar David Friedrich wurde 1774 unweit von Rügen, in der  schwedisch-pommerschen Hafenstadt Greifswald, geboren. Er war das sechste von zehn Kindern. Beide Elternteile stammten aus der mecklenburgischen Stadt Neubrandenburg. Friedrich selbst war sein gesamtes Leben lang schwedischer Staatsbürger. Im Jahr 1790 erhielt er seinen ersten Zeichenunterricht beim Greifswalder Universitätsbau- und Zeichenmeister Johann Gottfried Quistorp. Vier Jahre später folgte die künstlerische Ausbildung an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen, damals eine der modernsten Akademie galt. Im Oktober 1798 wechselte er zur Akademie nach Dresden, wo er 1801 sein Studium abschloss.

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In den Sommermonaten 1801 und 1802 reiste Caspar David Friedrich in seine Geburtsstadt und weiter zur Insel Rügen. Bei ausgedehnten Wanderungen entstand ein Fundus an Skizzen, auf die er später immer wieder zurückgriff.

Friedrich gehörte der Generation der ersten freien Künstler an, die nicht als Auftragsmaler, Professoren einer fürstlichen Akademie oder protegierte Freunde eines reichen Gönners tätig waren. Sie boten ihre Künste auf dem freien Markt von Galerien an und lebten vom Verkauf ihrer Werke. Er gilt heute als bedeutendster Maler und Zeichner der deutschen Frühromantik, die er zusammen mit Philipp Otto Runge wie kaum ein anderer beeinflusste. Seine Werke haben häufig Natur- und Landschaftsdarstellungen zum Gegenstand. Die Natur nimmt darin oft einen metaphysisch-transzendenten Charakter an. Caspar David Friedrich starb am 7. Mai 1840 in Dresden.
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* Schäfers Klagelied (Johann Wolfgang von Goethe)

Da droben auf jenem Berge,
Da steh ich tausendmal,
An meinem Stabe gebogen
Und schaue hinab in das Tal.
Dann folg ich der weidenden Herde,
Mein Hündchen bewahret mir sie.
Ich bin heruntergekommen
Und weiß doch selber nicht wie.

Da stehet von schönen Blumen
Die ganze Wiese so voll.
Ich breche sie, ohne zu wissen
Wem ich sie geben soll.

Und Regen, Sturm und Gewitter
Verpaß ich unter dem Baum.
Die Türe dort bleibet verschlossen
Denn alles ist leider ein Traum.

Es stehet ein Regenbogen
Wohl über jenem Haus!
Sie aber ist weggezogen,
Und weit in das Land hinaus.

Hinaus in das Land und weiter,
Vielleicht gar über die See.
Vorüber, ihr Schafe, vorüber!
Dem Schäfer ist gar so weh.
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Unsere Caspar-David-Friedrich-Blicke:

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Goor

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Wäldchen am Naturhafen Baabe

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Acker vor Vilmnitz (mit Maria Magdalena Kirche)

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Mondaufgang

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Abendrot

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Im-Jaich Marina und Wasserferienwelt

Hallo, Bad Camberg

Wir sind erst um 12:00 Uhr in Berlin losgefahren. Das Wetter war angenehm zum Reisen: freundlich, aber nicht heiß, zwischendurch mal ein kleiner Schauer. Um 18:00 Uhr kamen wir in Bad Camberg an.

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Angenehmes Wetter, tolles Licht: Der historische Marktplatz von Bad Camberg, mit großflächigem Kopfsteinpflaster und schönen Fachwerkhäusern

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Die verwunschene Spatzenallee, gesäumt von Linden, Walnuß-, Kastanienbäumen und Birken, führt vom Kurpark zum Waldschloss

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Schilder sind lustig, wenn Texttafeln Platz für individuelle Botschaften bieten. Hier wollte der Texter ein »Radfahren verboten« umschiffen. Seine Lösung lädt dazu ein, sich mal so richtig doof zu stellen. Häh, radfahren im Kurpark ist gefährlich? Woran kann das liegen? Vielleicht an Müttern mit Kindern, die ganz böse schimpfen, wenn man sie überholt? Oder liegt es an der Parkluft – zu viel Sauerstoff? Wir fordern die Kurverwaltung auf, dass Radfahren im Park wieder gesund wird.

Josef Urban, erfolgreicher Geschäftsmann und Extremsportler

Josef ist ein Kämpfer. Er kommt gerade von einer 40-Kilometer-Mountain-Bike-Tour, die er mit einem Kumpel im Taunus absolviert hat. Große Hochachtung.

»Vertigo«-Bungalow hinter Mauern

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Es scheint nicht einfach zu sein, in einem Haus zu leben, das vor über 50 Jahren eine Hauptrolle in einem Film spielte, der zum Klassiker wurde. Zuletzt löste er für das britische Magazin Sight & Sound sogar »Citizen Kane« als den besten Film aller Zeiten ab. Die Rede ist von Alfred Hitchcocks »Vertigo«, aus dem Jahr 1958 mit James Stewart und Kim Novak in den Hauptrollen. Der pensionierte Polizist John »Scottie« Ferguson (Stewart) verliebt sich in eine selbstmordgefährdete Frau (Novak), kann jedoch aufgrund seiner Höhenangst ihren Tod nicht verhindern. Als er später einer jungen Frau begegnet (Novak in einer Doppelrolle), die der Toten bis aufs Haar gleicht, versucht er diese zum Ebenbild seiner verstorbenen Liebe umzuformen. Die Außenaufnahmen von Vertigo wurden in San Francisco gedreht, das Hitchcock-Wiki hat alle Schauplätze identifiziert …

Scotties Wohnhaus im Film ist ein Mid-Century-Bungalow, gelegen in der Lombard Street mit der Hausnummer 900. Vor 23 Jahren haben Hanna Suleiman und seine Frau Sandy das Haus erworben … nicht ahnend, das Vertigo ein Filmklassiker wird und die Fans des Films Tag für Tag zu dem Haus pilgern. Manche klingeln, um einen Blick ins Wohnzimmer werfen zu können. Eigentlich sollten sich die Suleimans freuen, denn jedes Foto, jede verkaufte DVD des Films steigert den ideellen Wert ihrer Immobilie, die sowohl in Reiseführern als auch in Wikipedia erwähnt ist.

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Lombard St. 900, 1958 im Film

Bei meinem letzten Besuch vor einem Jahr fiel es mir noch relativ leicht, das Haus zu finden … ohne Reiseführer und WIkipedia. Ich erinnerte mich einfach nur an die Perspektive von Hitchcocks Kamera, den rot gemauerten Schornstein und den Eingangsbereich:

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Lombard St. 900, 2012 

In diesem Jahr hätte ich das Haus fast nicht mehr erkannt, denn die Suleimans haben sich zu eine Radikalkur entschlossen. Sie mauern sich ein. Ihr erwachsener Sohn Sasha, der die Bauarbeiten überwacht, behauptet, dass sich das Haus nach den Umbauarbeiten nicht anders anfühlen werde. »Ich nehme die Umbauarbeiten durchaus ernst«, sagte er dem San Francisco Chronicle, »aber hier geht es nicht um historische Werte, sondern um Pop-Kultur.« Noch steht das Haus nicht unter Schutz, weil es jünger als 60 Jahre ist und sein Wert als Filmkulisse nur schwer zu messen ist.

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Lombard St. 900, 2013

Ich glaube, dass die Suleimans falsch beraten sind. Wäre ich an ihrer Stelle, würde ich das Haus so filmecht wir möglich zurück bauen und den ganzen touristischen Wirbel darum irgendwie vergolden … nur wohnen würde ich nicht in dem Haus. Aber ich denke, die Suleimans wissen, was sie tun.